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Buchbesprechungen

Roland Kandel, Rolf Kniffka (Hrsg.): „Standpunkt Baurecht“, Festschrift für Stefan Leupertz, Werner-Verlag, 2021, XXVIII, 839 S., gebunden, SBN 978-3-8041-5412-4; ISBN-10: 3804154123; ISBN-13: 9783804154124; 149 €

Mit der Festschrift für den Präsidenten des Deutschen Baugerichtstages und ehemaligen Richter am BGH Prof. Stefan Leupertz zum 60. Geburtstag haben die beiden Herausgeber, die in unterschiedlicher Weise wesentliche Lebensabschnitte des Jubilars begleitet haben, einen unschätzbaren Baurechts-Wissensschatz zusammen mit den Mitautoren geschaffen: Rechtsanwalt Roland Kandel stellt als Geschäftsführer des Deutschen Baugerichtstages e.V. sozusagen die „rechte Hand“ des Geehrten dar. Und Prof. Dr. Rolf Kniffka prägte als Vorsitzender des VII.Senats (Bausenat) beim BGH zwischen 2008 und 2012 den damals zu Beginn seiner BGH-Karriere erst 47-jährigen Ausnahmerichter Stefan Leupertz. Wenn nun zwei so exponierte Herausgeber zu Ehren eines Baurechts-Pioniers des 21. Jahrhunderts eine Festschrift mit der treffenden Überschrift „Standpunkt Baurecht“ herausgeben und dazu kompetente Mitstreiter suchen, dann ist die Mitwirkung an einem solchen Werk selbst eine Ehre und zugleich die Möglichkeit, mit tiefgehenden Ausführungen Danke zu sagen: Danke für die vielfältigen Impulse, die Stefan Leupertz der gesamten Baurechtswelt und insbesondere der Baupraxis gegeben hat. Und so spiegelt sich das Wirken des 60-jährigen in den Superlativen, die sich bei der Analyse von Form und Inhalt der in dezentem Tiefblau mit Goldlettern gebundenen Festschrift zeigen: Mit insgesamt 867 Seiten zählt das Werk zu den umfangreichsten Ehrungs-Kompendien für Baurechtler seit den Festschriften für Hermann Korbion oder Horst Locher, die vor mehr als 30 Jahren erschienen sind. Und dass 51 Hochkaräter zur Feder gegriffen haben, um mit hochspezialisierten Beiträgen den Jubilar zu ehren, ist insbesondere mit Blick auf die Tatsache zu erwähnen, dass neben Prof. Dr. Rolf Kniffka mit den RiBGH Claus Halfmeier, Prof. Dr. Andreas Jurgeleit und Dagmar Sacher gleich drei aktive Bundesrichter mitgewirkt haben. Mehr noch: Unter den Mitautoren, die bei der Vielzahl nicht alle genannt werden können, finden sich die Repräsentanten der wichtigsten Baurechts-Fachzeitschriften, RiOLG a.D. Karlheinz Keldungs für die BauR und Prof. Dr. Heiko Fuchs für die NZBau. Aber auch die führenden Baurechtsvereinigungen steuern durch ihre Vorstände maßgeblich zum Inhalt des Werks bei: Dr. Birgit Franz für die ARGE Baurecht, Ministerialdirektor a.D. Michael Halstenberg für die Deutsche Gesellschaft für Baurecht, Prof. Dr. Bernhard Rauch für das CBTR Centrum für Deutsches und Internationales Baugrund- und Tiefbaurecht, Univ.-Prof. Dr. Jochen Glöckner für die Freiburger Baurechtstage, Univ.-Prof. Dr.Wolfgang Voit für den Masterstudiengang „Baurecht“ an der Universität Marburg und nicht zuletzt Prof. Dr. Mark von Wietersheim für das forum vergabe e.V.

Nimmt man sich die Zeit und studiert die einzelnen Beiträge zu Ehren eines unermüdlich für die außergerichtliche Streitlösung kämpfenden Pioniers Stefan Leupertz, dann stellt man schnell fest: Hier wurde der Ist-Stand der aktuellen Bau(rechts)probleme zusammengefasst und so aufbereitet, dass ein Kompendium entstanden ist, das alle Jurist*inn*en, die sich ernsthaft mit der komplexen und komplizierten Baurechtsmaterie beschäftigen wollen und auch müssen, nicht nur im Bücherschrank aufbewahren, sondern inhaltlich in ihren Wissensschatz aufnehmen müssen! Nur ein paar Beispiele aus den 51 Beiträgen sollen diese Empfehlung untermauern: „Der Mythos der tatsächlich erforderlichen Kosten“ (Prof. Dr. Markus Kattenbusch); „Gesprächsmoderation als zeitgemäße Methode der alternativen Streitbeilegung“ (Prof. Dr. Werner Langen); „Anerkannte Regeln der Technik – welcher Stand ist geschuldet?“ (Prof. Dr. Iris Oberhauser); „Das Werk des Architekten beginnt mit dem Taschenrechner“ (Dipl.-Ing. Werner Seifert) oder „Zur normativen Weiterentwicklung der Abnahme gemäß § 640 BGB“ (Prof. Dr. Burkhard Messerschmidt). Auch alle anderen Beiträge, deren Inhalt im Internet abgerufen werden kann, stellen gut lesbare Wegweiser für die tägliche Arbeit im Baurechtsbereich dar. Auf der Basis langjähriger Erfahrung und exzellentem Wissen verfasst, führen sämtliche Beiträge im doppelten Sinne weiter! Leider ist dies, wie die Verkaufszahlen von Festschriften zeigen, immer nur einem kleinen Kreis von Baurechtsexperten bekannt. Dazu hat der Verfasser dieser Besprechung schon vor 20 Jahren in BauR 2001, 854 ff. die Feststellung getroffen: „Ungenutzter Baurechtswissensschatz: Festschriften“. Vielleicht liegt dies auch an den traditionell fehlenden Stichwortverzeichnissen solcher Werke, die einen Zugang zu Einzelproblemen erschweren. Aber derartige Beiträge sind nicht unbedingt als Kommentare gedacht, sondern als Stimulanz, die systematisch gelesen den unendlich großen Horizont des Baurechtswissens näher bringen können. Dass die Herausgeber in einer äußerst sympathischen Art einleitend auf 8 (!) Seiten das unglaubliche Füllhorn des Wirkens und Wesens des Jubilars unter der Überschrift „Stefan Leupertz – ein Manager des Baurechts“ ausbreiten, gibt dem sehr zu empfehlenden Gesamtwerk noch eine besondere persönliche Note. Diese hat der Jubilar, der vor langer Zeit in der Folge von Prof. Hermann Korbion (+) und „Ziehsohn“ von Prof. Dr. Claus Vygen (+) am OLG Düsseldorf das Baurecht als Lebensinhalt entdeckte, auch mehr als verdient!

Prof. Dr. Klaus Englert
Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht, Schrobenhausen

Hertwig, Stefan, Praxis des Vergaberechts, Systematik, Verfahren, Rechtsschutz

7., neubearbeitete Auflage. 2021; XXVI, 295 S. Softcover; C.H.BECK. ISBN 978-3-406-74446-4; NJW Praxis; Band 65, hrsgg. von Felix Busse; 69 Euro

Die wissenschaftliche Reihe NJW Praxis – früher: NJW Schriftenreihe – zählt seit 15 Jahren zu den Leuchtturmprojekten des Verlags C.H.Beck. Dies wird nicht nur durch bereits 68 kompakte und praxisnahe Detaildarstellungen verschiedenster Rechtsgebiete unterstrichen, sondern auch durch die hohe Relevanz für Anwälte und Gerichte verdeutlicht. Dies gilt auch für die schon 7. Auflage zum Vergaberecht. Der Autor, als Fachanwalt für Vergaberecht und Bau- und Architektenrecht sowie Honorarprofessor für Baurecht zugleich in der Baurechtspraxis und im Hochschulbetrieb zu Hause, versteht es mit detaillierten, durch zahlreiche Fußnoten gestützten Ausführungen, das komplexe und komplizierte Vergaberecht transparent zu machen. Das Standardwerk bietet damit einen kompakten und umfassenden Leitfaden für die vergaberechtliche Praxis. An der Schnittstelle von Verwaltungs-, Zivil-, Wettbewerbs- und Europarecht bereitet der Band das gesamte Vergaberecht systematisch, aktuell und schrittweise auf und zeigt damit dem Praktiker bei Behörden und Gerichten sowie Vergabekammern ebenso wie Vergaberechts-Juristen in Anwaltskanzleien genau auf, wie das Verfahren abzulaufen hat. Von der Ausschreibung bis zur Verhandlung erläutert sind alle wesentlichen Punkte der öffentlichen Auftragsvergabe, darunter auch die wettbewerbsrechtlichen Fragen. Besonders nützlich für die Praxis sind auch die enthaltenen Prüfungsschemata. Erläutert – und vertieft – werden u.a. die Grundstrukturen des Vergaberechts, Vergabeverfahren in den Vergabearten des Oberschwellen- bzw. Unterschwellenbereichs, der Rechtsschutz gegen Vergabeverstöße der öffentlichen Auftraggeber und der Rechtschutz gegen Wettbewerbsverstöße der Bieter. Mehr noch: Die Neuauflage behandelt u.a. das Gesetz zur Abmilderung der Folgen der ¬COVID-19-Pandemie im Wettbewerbsrecht und für den Bereich der Selbstverwaltungsorganisationen der gewerblichen Wirtschaft sowie die Unterschwellenvergabeverordnung (UVgO). Darüber hinaus bringt die Neuauflage das Werk insgesamt auf den aktuellen Stand in Rechtsprechung und Literatur, der mit Stand Februar 2021 sehr zeitnah zum Erscheinen wiedergegeben wird. Sehr verdienstvoll und hilfreich sind insbesondere die jeweiligen Zusammenfassungen. So etwa auf S.52 ff. die Darstellung der überhaupt vom Vergaberecht erfassten öffentlichen Auftraggeber. Aber auch die Befassung mit Einzelheiten einer Ausschreibung, z.B. deren Auslegung, ist mehr als hilfreich: Die präzise Darlegung hinsichtlich der Rechtsprechungsvorgaben zum Verständnis bei Leistungsbeschreibungen etwa, die auf S. 124 ff. eine ebenso nutzbare Gebrauchsanweisung zum Verständnis von LV-Texten gibt wie die Ausführungen zu Kalkulationsvorgaben und unzulässigen Mischkalkulationen bei entsprechender Beachtung viele Streitigkeiten vermeiden helfen könnten!

Wenn man sich mit den 272 Textseiten zwei Wochenenden hindurch Seite für Seite befasst, dann kann jeder Jurist, der mit Vergaberecht konfrontiert ist, viel Neues erfahren, das zum Erfolg in Vergabesachen führen wird. Die klare Gliederung und die sehr übersichtliche Textgestaltung tragen mit dazu bei, dass man, einmal begonnen, das spezielle Werk zum Vergaberecht nicht mehr aus der Hand legen will. Dazu tragen auch die eingestreuten, sehr nachdenkenswürdigen Gedanken des Autors bei, der sich immer wieder kritisch mit dem Vergaberecht als einseitiges, den Auftraggeber letztlich benachteiligendes Regelwerk auseinandersetzt – bis hin zur berechtigten Kritik an der Vergabepraxis, wonach immer noch meist der billigste anstelle des besten Bieters, also unter Einbezug aller Kriterien von Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit, den Zuschlag erhält.

Prof. Dr. jur. Klaus Englert
Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht, Schrobenhausen

Voppel, Reinhard / Bubert, Christoph: HOAI 2021 – Einführung in das neue Recht

XIII, 273 S., 1. Aufl. 2021, Klappenbroschur; C.H.BECK ISBN 978-3-406-76870-5, 45 Euro
Reihe PraxisWissen

Zwei ausgewiesene Kenner des Architekten- und Ingenieursrechts, die Rechtsanwälte Voppel und Bubert, haben sich mit ihrem handlichen und umfassenden Band zur Erläuterung der neuen HOAI 2021 auf eine stürmische Seereise gemacht. Die Klippen, die sich dabei zeigen und deren Einwirkung auf die HOAI in absehbarer Zeit vom Europäischen Gerichtshof mit der Beantwortung zur Frage der Vergütungsregelungen erkennbar werden, umschiffen die Autoren mit textgetreuer Befassung der Neuregelung, die in Befolgung europarechtlicher Vorgaben vom Verordnungsgeber in der neuen HOAI verankert wurden. Jeder Architekt, Ingenieur und Jurist ist deshalb gut beraten, sich mit diesen, vom bisherigen starren Vergütungssystem völlig abweichenden, Möglichkeiten der Honorarvereinbarung auseinanderzusetzen. Und dabei gibt das Logbuch der Einführung in die HOAI wertvolle Hilfen: Angefangen bei der Entstehungsgeschichte und der Entwicklung der HOAI über den Anwendungsbereich, die Honorierung samt Vereinbarung dazu bis hin zur Honorarermittlung im Einzelnen – die den größten Raum einnimmt – wird kompakt, aber dennoch sehr lesefreundlich, die Rechtslage dargestellt. Damit gewinnt der Nutzer des Werkes einen hervorragenden Überblick über diese stets virulente und häufig auch die Gerichte herausfordernde Materie des Architekten- und Ingenieursrechts. Mehr noch: Auch die Ausführungen zu Änderungs- und Wiederholungsleistungen, zur Abrechnung und zum Umgang mit Verbrauchern helfen ebenso beim Segelsetzen mit Kurs auf eine richtige Handhabung der neuen HOAI 2021 wie die vom Mediationsverfahren abgeleiteten Praxisratschläge zu Honorarverhandlungen. Diese rund 40 Seiten (S. 203 – 243) stellen ein Novum in einer baurechtlichen Darstellung dar. So etwa wenn der „Umgang“ mit „Sturheit“, „Vielrednern“, „Schweigern“, „Streitsüchtigen“ oder gar „Desinteressierten“ im Zuge von Honorarverhandlungen dargestellt wird. Aber gerade diese Schluss-Seiten machen einen großen Teil der frischen Brise aus, die von diesem kleinen, aber feinen Werk ausgeht. Einmal vor und immer wieder während der Überfahrt durch das weite Meer juristischer Streitbereiche im Architekturbereich studiert, hilft das Buch mit Sicherheit, den Hafen richtigen Verhaltens gut zu erreichen.

Prof. Dr. jur. Klaus Englert
Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht, Schrobenhausen

Stoltefuß, Martin: Baurecht für die Projektleitung. Die sechs Bausteine zum wirtschaftlichen Projekterfolg

XIV, 171 S.; 1. Aufl. 2021, Klappborschur, C.H.BECK, Reihe PraxisWissenBaurecht, ISBN 978-3-406-75301-5, 39 Euro

Sie sind handlich, mit 128 gut lesbaren Seiten übersichtlich aufbereitet und hilfreich: Die sechs Bausteine zum wirtschaftlichen Projekterfolg, wie der Untertitel des kleinen Werks mit großem Inhalt vorgibt. So viel vorneweg! Weitere 43 Seiten beinhalten im Anhang die Texte der VOB/B und des BGB-Bauvertragsrechts – mit dem Vorteil, dass sich der Nutzer des Buches, das vom typischen hellroten Einband der Beck`schen Reihe PraxisWissenBaurecht umfasst wird, ohne großen Nachschlage-Aufwand mit den wesentlichen baurechtlichen Bestimmungen schnell vertraut machen kann.

Dem Vorwort nach geht es dem promovierten Autor, der über jahrzehntelange Erfahrungen als Unternehmensjurist und Bauanwalt verfügt, um die Vermittlung exakt der Kenntnisse, die insbesondere Bau- und Projektleiter benötigen, um ihr Projekt wirtschaftlich erfolgreich zu managen und abzuschließen. Die vermittelten Kenntnisse sollen Sicherheit in wichtigen, oft stressigen Situationen geben und auf diese Weise auch den persönlichen Druck, unter dem die Baubeteiligten stehen, vermindern. Die in der Werbung verfolgte Zielsetzung, die sich auch im Haupttitel widerspiegelt, geht mithin dahin, dass den Verantwortlichen an der unmittelbaren Baufront, also den Bau- und Projektleitern, eine verständliche, ausschließlich an ihrer täglichen Praxis orientierte Hilfestellung zuteilwerden soll. Als Baujurist könnte man damit auch das Lesen dieser Buchbesprechung beenden, weil man ja offenbar nicht angesprochen wird, mithin eine nähere Betrachtung dieses verständlich, konkret und effektiv verfassten Werks für die Bauanwaltschaft, Richter*innen oder Mitglieder von Unternehmens-Rechtsabteilungen, die mit Bauprojekten befasst sind, ohne Interesse sein könnte. Doch weit gefehlt: Dieses geballte Feuerwerk an Wissens- und Erfahrungstransfer, das in 6 Kapiteln dem aufmerksamen Leser in Kurzform und doch gerade für den Einstieg in das Wesen der Baupraxis völlig ausreichend Hilfestellungen an die Hand gibt, sollten nicht nur auch, sondern insbesondere alle Juristen studieren, die sich mit dem Baurecht in irgendeiner Form befassen! Das gilt für den Neueinsteiger in das nach dem Studium und der Referendarzeit im Regelfall völlig unbekannte Baurecht ebenso wie für erfahrene Baujuristen. Die „6 Bausteine“ verraten den Grund dafür mit ihren Überschriften: „Baurechts-Basics“, „Effektives Konfliktmanagement“, „Bewusste Kommunikation in Schlüsselsituationen“, „Sorgfältige Dokumentation“, „Partnerschaftliches Behinderungs- und Bedenkenmanagement“ und schließlich „Effektives Mangelmanagement vor und nach der Abnahme“ zeigen umfassend – und in sehr verständlicher Sprache – die wesentlichen Problemkreise beim Bauen auf. Und dabei spielt das Baurecht nur dann eine Rolle, wenn das Verständnis von Kooperation und „Vertrag“ (von sich vertragen) nicht vorhanden ist. Und genau da setzt das Buch an: Der Autor zeigt Wege auf, die Konflikte möglichst nicht aufkommen lassen und wenn doch, dann wie sie ohne Gericht gelöst werden können. Dass dazu natürlich auch das Baurecht eine große Rolle spielt und deshalb auch am Anfang der Abhandlung steht, versteht sich von selbst. Aber es ist gerade diese Kürze, die der Weisheit von der Würze gerecht wird: Wer sich die Zeit nimmt, die ersichtlich von Eigenerfahrung getragenen Ausführungen des Autors zum Inhalt einiger Stunden zu machen, der wird sehr großen Gewinn für seine eigene juristische Arbeit im Zusammenhang mit der Beratung und Begleitung von Bauvorhaben aller Art feststellen können. Denn es werden Lösungswege für die sich in der Baupraxis immer wieder ergebenden Rechtsprobleme aufgezeigt, aber nicht nur für Nichtjuristen, also Ingenieure, Projektkaufleute und alle anderen an der Verwirklichung eines Bauvorhabens verantwortlich Beteiligten, sondern im Besonderen auch für Baujuristen. Das kleine, feine Werk sollte deshalb auch in Juristenkreisen beworben werden, denn es kann sehr viel zum Verständnis für die nicht immer einfache Baurechts-Problematik beitragen. Wenn der Autor dann in einer sicherlich baldigst erforderlich werdenden Neuauflage auch noch der Bedeutung des dritten Teils der VOB, nämlich der eigentlichen Bibel des Bau(technik)rechts VOB/C, einige zum Verständnis wichtige Seiten widmet, dann ist diese Zusammenstellung von Erfahrungsschätzen nicht nur für Baupraktiker – wozu besonders auch die Architekten zu zählen sind – , sondern auch für alle Baujuristen eine perfekte Fundgrube besonderer Art: Gut gegliedert, knapp beschrieben, sinnvoll begrenzt und durch „Praxistipps“, aber auch selektierte Fußnoten, erfreulich gut lesbar!

Prof. Dr. jur. Klaus Englert, Schrobenhausen
Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht

E. Frikell – M. Frikell
Die VOB in Formularen, 21. Auflage 2021
– Ein Buch für Baupraktiker (Bauunternehmen) –

Dieses bewährte Standardwerk ist soeben in aktualisierter Fassung 2021 in neuer kompakter Form erschienen. Die „VOB in Formularen“ richtet sich an alle Unternehmen der Bauwirtschaft und deren leitende Mitarbeiter. Diese Sammlung kann entscheidend dazu beitragen, rechtliche Fehler bei der Ausführung von Bauleistungen zu vermeiden. Denn es liegt auf der Hand, dass die Abwicklung von Bauleistungen nicht nur technisches Knowhow erfordert, sondern auch die Beachtung einer Vielzahl von Hinweis- und Mitteilungspflichten gegenüber dem Auftraggeber verlangt. Deshalb kann die „VOB in Formularen“ durch ihre rechtlich kompetenten Hinweise und Arbeitshilfen entscheidend dazu beitragen, fatale Fehler bei der Durchführung von Bauleistungen zu vermeiden.

Die „VOB in Formularen“ enthält u.a. 41 Musterbriefe, die in einem Downloadbereich als ausfüllbare PDF-Dateien herunterzuladen sind. Den bauausführenden Betrieben wird darin zu praktisch allen relevanten Bereichen der Vertragsabwicklung ein Formulierungsvorschlag gemacht, der der Interessenlage der Betriebe gerecht wird und der vor allem auch den rechtlichen Anforderungen der VOB/B entspricht.
Dabei ist Jedem Formularbrief eine Einführung in die jeweilige Thematik vorangestellt. Vor allem werden zu jedem Formularbrief auch nützliche und klar verständliche Hinweise darauf gegeben, was ein bauausführendes Unternehmen im jeweiligen Bereich besonders beachten sollte.

241 Seiten, kartoniert
ISBN: 978-3-89650-513-2
Einzelpreis 44.- Euro

Gabriel / Krohn / Neun
Handbuch Vergaberecht, 3. Auflage

Unter einem Handbuch versteht man – nach Duden – ein Buch, das kurz gefasst den gesamten Stoff eines Wissensgebietes (in wissenschaftlicher) Form darstellt. Kann also ein Kommentar zum Vergaberecht mit rund 2200 Seiten noch als „Handbuch“ durchgehen?
Die Antwort ist ein eindeutiges „Ja“. Dieses Werk – an dem 27 Autoren beteiligt waren – beinhaltet eine umfassende und dennoch, soweit möglich, kurz gefasste Darstellung des allgemeinen wie besonderen Vergaberechts. Dabei ist das Werk so konzipiert, dass – wie schon in den Vorauflagen – Doppellungen und Redundanzen bei der Kommentierung inhaltsgleicher Vorschriften in den einzelnen Vergaberegeln vermieden wurden, indem das Handbuch in seinem Allgemeinen Teil chronologisch an den verschiedenen Phasen des Vergabeverfahrens und den sich hieraus ergebenden Fragestellungen orientiert. Dabei beziehen sich die im Allgemeinen Teil erläuterten Sachthemen übergreifend auf „klassische“ Auftragsvergaben im Rahmen jeder der drei geltenden Vergabe-und Vertragsordnungen unter Einbeziehung aller geltenden Vergabevorschriften. Diesem Allgemeinen Teil folgt dann ein bereichsspezifischer Besonderer Teil, in dem sämtliche sektoralen Sondervergaberegelungen dargestellt werden, die sich in den vergangenen Jahren entwickelt haben.
Diese 3. Auflage kommentiert bereits die Änderungen des Vergaberechts durch das am 19.11.2020 in Kraft getretene Gesetz zur Änderung des ArchLG und anderer Gesetze.

Gabriel / Krohn / Neun
Handbuch Vergaberecht
GWB, VgV, SektVO, VSVgV, KonzVgV, VOB/A, UVgO, VO (EG) 1370/2007, SGB V, AEUV
Buch. Hardcover (In Leinen)
3. Auflage. 2021
CXXIII, 2202 S.
C.H.BECK. ISBN 978-3-406-74516-4
Preis: 259. – €

Leupertz/Preussner/Sienz
Kommentar zum Bauvertragsrecht, 2.Auflage, 2021

Bereits kurz nach Inkrafttreten des Gesetzes zur Reform des Bauvertragsrechts und zur Änderung der kaufrechtlichen Mängelhaftung im Jahr 2018 haben die Herausgeber Leupertz /Preussner/Sienz einen Kommentar zur Verfügung gestellt, der die zum Teil sehr komplizierten Regelungen der §§ 650 a ff umfassend erläutert.
Es fragt sich daher, weshalb die Herausgeber bereits knapp 3 Jahre später eine zweite Auflage auf den Weg gebracht haben. Entscheidend hierfür war die Tatsache, dass die Erstauflage zwar das neue Bauvertragsrecht kommentiert hat, jedoch nicht die natürlich auch für Bauverträge weiterhin maßgeblichen Bestimmungen des gesetzlichen Werkvertragsrechts, also die §§ 631-650 BGB. Damit hat das Werk mit jetzt über 800 Seiten deutlich an Umfang zugenommen.
Ein weiterer Anlass für die kurzfristige Neuauflage war die Tatsache, dass das Vertragsänderungsrecht des BGB – das nach Auffassung der Herausgeber ein „Fehlkonstrukt“ sei – von der Baupraxis nur zaghaft angenommen wird. Die Neuauflage will den Entwicklungsprozess, der nach Meinung der Herausgeber noch lange andauern kann, „durch seinen Kommentar begleiten und verlässlich nachzeichnen“. Gewähr hierfür biete „auch der Umstand, dass die parallel erscheinende online-Version des Werkes eine ständige Aktualisierung durch die Einarbeitung der langsam wachsenden Rechtsprechung und der sich ebenfalls fortentwickelnden Literatur sicherstellt. Es liegt auf der Hand, dass die Printausgabe des Werks hiervon bereits auf dem Weg zur zweiten Auflage profitiert hat und auch in Zukunft weiter profitieren wird.“
Gerade der letztgenannte Gesichtspunkt spricht dafür, dass auch diese zweite Auflage ein Erfolg wird.

Buch. Hardcover (In Leinen) 832 S.
C.H.BECK. ISBN 978-3-406-75741-9
Format (B x L): 16,0 x 24,0 cm
Preis 119 €.

Röwekamp, Hendrik / Kus, Alexander / Portz, Norbert / Prieß Hans-Joachim (Hrsg.)
Kommentar zum GWB-Vergaberecht

Die Zahlen sprechen für sich: 4 Herausgeber haben 30 Mitautoren für die Kommentierung von 89 Paragraphen auf insgesamt 1465 Seiten zur Bewältigung der 5. Auflage des umfassenden Vergaberechtskommentars gewinnen können – und die Nutzer dieser fundierten und aktuellen Erläuterungen zu einem der wichtigsten Baurechtsthemen sind dabei die Gewinner! Dies liegt einmal an der Formulierungskunst aller Mitautorinnen und – autoren, die aus der Richterschaft ebenso hochkarätig vertreten sind wie die öffentliche Hand und Vergaberechtsspezialisten aus der Anwaltschaft: Alle 30 Autoren verstehen es meisterhaft, wissenschaftlichen Anspruch mit praktischen Bedürfnissen zu vereinen! Der Gewinn durch das Studium des Werkes ergibt sich aber auch aus der kompakten und kompetenten Darstellung der vielfältigen Vergaberechts-Probleme, die durch die Europäischen Vorgaben ständig vorhanden sind und immer wieder zu Fragezeichen führen. Und genau hier setzt die Erste Hilfe des Kommentars – in den bekannten rot-gelben Einbandfarben gehalten – nicht nur für ausgewiesene „Fachanwälte für Vergaberecht“ oder Richter, sondern auch für die vielen Verantwortlichen für die Vergabe von Bauleistungen in den Kommunen und anderen öffentlichen Auftraggeber-Stellen, aber auch für Architekten und Projektsteuerer an, die nicht unbedingt einen Spezialisten für Vergaberecht mit am Schreibtisch sitzen haben, sondern sich selbst in dem nahezu undurchdringlichen Dschungel meist schwer verständlicher Vergabevorschriften zurechtfinden müssen.

Wer die Entwicklung des Vergaberechts in den letzten Jahrzehnten von der kaum beachteten Spezialmaterie hin zum Dauerbrenner für Gerichte und Schaffung eines Regelwerks, das letztlich zur Anwendung nicht nur gelesen, sondern auch verstanden werden muss, nachverfolgt hat, kann für die erfrischend klaren Ausführungen nur danken und auch für die Kritik an der halbherzigen Umsetzung der europäischen Vorgaben mehr als Verständnis aufbringen (Einführung, S.12 – 13, Müller). Gerade die „Einführung“ auf den ersten 13 Seiten muss jeder Beteiligte an Vergabeverfahren als Grundvoraussetzung eines Nachvollzugs der §§ 97 – 186 GWB studiert haben, wenn der Zugang zu dieser oftmals als „spröde“ bezeichneten Materie sicher gefunden werden soll. Aber auch und besonders die Einzel-Erläuterungen zu den seit der Vergaberechtsreform, die im April 2016 in Kraft trat, umfassend geänderten und erweiterten Paragraphen, bieten einen hervorragenden Fundus an Praxis- und Rechtsverständnis für das Vergaberecht. So geht es um die Eignung, Angebote, Wertung, Compliance, die Elektronische Vergabe und die Vergabe von Konzessionen im neuen Rechtsgewand ebenso wie um die speziellen Nachprüfungsverfahren sowie die Verfahren vor der Vergabekammer und die Möglichkeiten der Sofortigen Beschwerde, um nur einige Teilaspekte der großen Palette des Vergaberechts anzuführen. Besonders herauszugreifen ist die für Unternehmen eröffnete Möglichkeit der „Selbstreinigung“ zur Vermeidung eines Ausschlusses von Vergabeverfahren gem. § 125 GWB, die von Roland Stein auf 19 Seiten mehr als verständlich und praxisnah kommentiert wird. Aber auch jede andere Kommentierung zeigt die Erfahrung und das besondere Wissen aller Kommentatoren auf, die Voraussetzungen für das Prädikat „besonders hilfreich“ sind. So sollte nicht nur, sondern: muss jedes Gericht, jede Kanzlei, jede Dienststelle und jeder Architekt, die mit Vergaben der öffentlichen Hand zu tun haben, dieses Werk in der Neuauflage zu Rate ziehen, um rechtssichere Vergaben vorbereiten, vornehmen und überprüfen zu können. Vielleicht kann bei der nächsten Auflage zum Verständnis nicht ganz vergaberechtlich versierter Nutzer noch ein kleiner Vorspann aufgenommen werden, der die Einordnung des Vergaberechts in das „Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen“ erläutert, so dass nicht sogleich mit der Spezialregelung begonnen wird. Schließlich könnte zumindest im Innentitel diese Gesetzesbezeichnung ergänzend zu (nur) „GWB“ aufscheinen. Am Ende ist den „Männern der ersten Stunde“, die den Kommentar in 4 Auflagen zu einem Flaggschiff der Vergaberechts-Literatur geformt und sich nun zurückgezogen haben, zu danken: Die Rechtsanwälte Hans-Peter Kulartz und Klaus Eschenbruch haben maßgeblichen Anteil daran, dass der „GWB-Kommentar“ zum unverzichtbaren Hilfsmittel bei Vergaberechtsfragen geworden ist.

Prof. Dr. jur. Klaus Englert, Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht, Schrobenhausen

5. Aufl. 2020, gebunden, XXV / 1440 Seiten, Werner Verlag, ISBN 978-3-8041-5322-6; Euro 159

Rehm, Rolf / Frömel, Dieter
Bauleistungsversicherung

Eine gute Versicherung ist bekanntlich die halbe Miete! Dies gilt insbesondere auch im Zusammenhang mit der Ausführung von Bauleistungen aller Art – doch diese Erkenntnis hat in der Baupraxis noch keinen durchschlagenden Widerhall gefunden. Zwar werden im Regelfall Bauhaftpflicht-, Montage- und Bauleistungsversicherungen abgeschlossen. Aber die feinen Unterschiede in den Versicherungsbedingungen und vor allen Dingen die äußerst wichtigen dazu gehörenden Klauseln erschließen sich nur schwer und oft überhaupt nicht. Damit bleiben versicherbare Schäden nicht versichert oder versicherte Problembereiche im Zuge von Baumaßnahmen werden als solche nicht erkannt. Das Netz von Bedingungen, die sich meist nur als Abkürzungen auf dem Vertragspapier finden, ist schwierig zu durchschauen und nur wenige Spezialisten kennen sich demnach damit aus. Dabei zählt die Beherrschung der Versicherungsmöglichkeiten von Bauproblemen zum Grundwissen von Baujuristen und Baukaufleuten. Denn sie sind es, die im Vorfeld beraten und im Ernstfall mit der und manchmal auch gegen die Versicherungsgesellschaft Rechte abklären und durchsetzen müssen. Dennoch hat sich immer noch nicht die Neuordnung der Bauleistungsversicherung in der Bau- und Baurechtspraxis bei allen Verantwortlichen herumgesprochen: Zum 1.1.2018 hat der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) die Allgemeinen Bedingungen für die Versicherung von Bauleistungen (ABBL 2018) bekanntgegeben. Damit wurden die mehr verwirrenden, denn verständlich formulierten früheren Klauseln, die noch aus der Zeit der „Bauwesen-Versicherung“ stammten und in Auftragnehmer- und Auftraggebersphären trennten, ad acta gelegt. Die Allgemeinen Bedingungen für die Bauleistungsversicherung durch Auftraggeber (ABN 2011) und die Allgemeinen Bedingungen für die Bauleistungsversicherung von Unternehmerleistungen (ABU 2011) einschließlich ihrer zugehörigen Klauseln gehören damit der Vergangenheit an! Seit 2019 also gelten im Bereich der Bauleistungsversicherung die „Allgemeinen Bedingungen für die Versicherung von Bauleistungen“ und diese samt der dazu gehörigen 26 Klauseln zu kennen, kann jedem Baujuristen, Versicherungsmakler, Sachverständigen sowie Mitarbeiter von Bauherren, die mit der Abwicklung von Versicherungsangelegenheiten im Zusammenhang mit Baumaßnahmen befasst sind, nur dringend empfohlen werden! Denn es geht oftmals um hohe Summen, die mit im Verhältnis dazu kleinen Versicherungsprämien gesichert werden können. Dabei ist die Bandbreite möglicher Versicherungs-Sachverhalte ebenso groß wie die der Ausschlüsse bzw. der nur über spezielle Policen versicherbaren Bauprobleme. Die ABBL 2018 eröffnen zunächst mit A1-1.1 unter der Überschrift „Versicherte Sachen“ die Generalregelung: „Versichert sind alle Lieferungen und Leistungen für das im Versicherungsvertrag bezeichnete Bauvorhaben (Neubauleistung)“. Und unter A1-1.2 schließt sich der Katalog der „nicht versicherten Sachen“ mit insgesamt 17 Ziffern an. Darunter finden sich „Hilfsbauten und Bauhilfsstoffe“ ebenso wie „Baugrund und Bodenmassen“, „Baugeräte“, „Gerüste“, „Fahrzeuge aller Art“ oder auch „Pflanzen“. Aber für einen Teil der eigentlich nicht versicherbaren Sachen gibt es dann doch wieder Ausnahmen, die sich in den 17 Klauseln finden, so etwa TK A 5114 für „Baugrund und Bodenmassen“. „Gewusst wo und wie!“ so lautet also die Devise im Umgang mit dieser äußerst hilfreichen, aber im konkreten Fall mit vielen Fallstricken versehenen Versicherungsmöglichkeit. Und genau dazu verhelfen die Autoren mit dem bereits in 4. Auflage erschienenen Kommentar: Rolf Rehm ist Sachverständiger für Bauleistungsversicherungsfragen, Dieter Frömel Rechtsanwalt mit Schwerpunkt Versicherungsrecht – und so fügen sich die Puzzle-Teile der Bauleistungsversicherung im handlichen Band der bekannten gelben Reihe des Verlages C.H. Beck sinnvoll aneinander. Nach einer kurzen Einleitung finden sich die Regelungen der neuen ABBL mit Klauseln im Einzelnen dargestellt. Aufgrund der Neuartigkeit der ABBL können noch keine einschlägigen Urteile angegeben werden. Hilfsreich ist jedoch die exakte Definition der jeweiligen Versicherungs-Sache. Diese kann über das umfassende Sachregister schnell aufgefunden werden. Nach dem Hauptteil des Kommentars zur neuen Bauleistungsversicherungs-Regelung mit Klauseln folgt im Hinblick auf den bekannten Nachlauf von Baustreitigkeiten auch die bisherige, aber auf den letzten Stand der Rechtsprechung gebrachte Kommentierung der bis 2019 geltenden ABN 2011 (Allgemeine Bedingungen für die Bauleistungsversicherung durch Auftraggeber) und der ABU 2011 (Allgemeine Bedingungen für die Bauleistungsversicherung von Unternehmerleistungen). Damit soll, so die Verfasser, dem Bedürfnis der Baupraxis gefolgt werden, wonach Versicherungsfälle im Regelfall oft erst Jahre später die Regulierungsreife erhalten.
Insgesamt sollten sich alle Baubeteiligten mit den Möglichkeiten und Chancen einer Bauleistungsversicherung auseinandersetzen. Denn mit der jeweiligen Versicherungsleistung kann so manches Desaster einer Baustelle abgewendet werden. Dazu hilft der vorliegende Kommentar, dessen Studium auch als eine Art von Lehrbuch sehr empfohlen werden kann.

Prof. Dr. jur. Klaus Englert
Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht, Schrobenhausen

Bauleistungsversicherung
Kommentar zu den ABBL, ABN und ABU mit Klauseln
4. Aufl. 2020, C.H. Beck, XVII, 609 Seiten
Hardcover (Leinen), 109,00 Euro
ISBN: 978–3–406–72520-3

Mayer Manfred Marco, Die Bauzeit als Abschluss- und Abwicklungsfaktor von Bauverträgen unter besonderer Berücksichtigung von Witterungseinflüssen.

Eine baubetriebliche Aspekte berücksichtigende rechtstatsächliche und rechtsdogmatische Untersuchung unter Einbeziehung des ab dem 01.01.2018 geltenden neuen Rechts, Schriften zum Bau- und Vergaberecht.

Vorab: Ob es stürmt oder schneit, in Strömen regnet oder die Sonne die Temperaturen auf über 35 Grad und heißer ansteigen lässt: Immer hat dies in irgendeiner Form – im Regelfall negative – Auswirkungen auf die vorgesehene oder ausdrücklich vereinbarte Bauzeit. Es kommt zum gestörten Bauablauf und damit auch zu Fragen der Beschleunigungsnotwendigkeit bzw. überhaupt Möglichkeit dazu. Die baurechtlichen Fragen zu dieser Witterungsproblematik, zu der auch tief gefrorener Baugrund, aufgeweichte Baugrubensohlen oder umgestürzte Gerüste und Kräne zählen, sind ebenso vielfältig wie in der Bau(rechts)praxis im Regelfall ein Buch mit sieben Siegeln. Vergleichbar ist dieses Vakuum an (Er-)Kenntnissen mit anderen vermeintlichen Randgebieten des Baurechts, die auch in Kommentaren und Handbüchern nur stiefmütterlich behandelt werden. So etwa das Baulärm-, Kampfmittel-, Baustraf- oder Bauversicherungsrecht. An vorderster Stelle steht dabei die Frage, in wessen Verantwortungsbereich derartige zwar mögliche, aber in concreto nicht erwartete Witterungseinflüsse auf die vertraglich geschuldete Leistung und letztlich auch die Vergütung stehen. Es geht um Stichworte wie das „zeitliche Anordnungsrecht“ gem. § 6 Abs.2 Nr.2 VOB/B, Fragen der Entschädigung nach § 642 BGB und schließlich auch die Neuregelungen seit 1.1.2018 mit dem Vertragsänderungs- bzw. Anordnungsrecht samt Vergütungsfolgen gem. §§ 650b; 650c BGB. Dabei wird auch immer wieder das Problem virulent, mit welcher Witterung ein Auftragnehmer noch oder schon nicht mehr bei seiner Angebotskalkulation, bezogen auf die vorgegebene Bau-Jahreszeit, zu rechnen und etwaige Schutz- bzw. Weiterarbeitsvorkehrungen in seine Preise einzurechnen hat.
Zur Lösung dieser häufig im Bauleben vorkommenden Witterungsproblematik trägt ein sehr hilfreiches, allerdings mit einem sehr langen und sperrigen Titel versehenes, Werk des Autors Marco Manfred Mayer bei: Auf rund 360 Seiten findet sich nicht nur die – insgesamt nicht sehr zahlreiche – aktuelle Rechtsprechung, sondern es wird ein Weg aufgezeigt, die Witterungseinflüsse in vertragsgerechter Weise zu behandeln.
Ausgangspunkt dazu ist die Überlegung, dass „Bauen“ grundsätzlich einen länger andauernden Prozess darstellt. Die zeitliche Dauer und die zeitliche Abfolge einzelner Produktionsprozesse sind dabei von maßgebender Bedeutung. Die fachgerechte Verarbeitung der Baustoffe ist jedoch stets an bestimmte Umweltbedingungen und Untergrundbeschaffenheiten geknüpft, die maßgeblich von der herrschenden Witterung bestimmt sind. Die technischen Grenzen des Bauens bei widriger Witterung sind letztendlich auch abhängig vom technischen und wirtschaftlichen Aufwand. Werden entsprechende Maßnahmen mit z.B. Einhausungen, Heizungsanlagen und sonstigen Winterbaumaßnahmen umgesetzt, stehen schlechte Witterungsverhältnisse der Einhaltung einer vereinbarten Ausführungszeit nicht immer entgegen. Insofern sind aber Bauzeit und Kosten maßgeblich von der vorherrschenden Witterung abhängig. Um diesen Kreislauf von Bauzeit – Witterung – Gestörter Bauablauf und Anordnungsrechte, aber auch Vergütungsfolgen sachgerecht lösen zu können, untersucht der Autor, welche Regelungen zur bauzeitlichen und witterungsbezogenen Risikoverteilung das BGB, unter Berücksichtigung des „neuen“ Bauvertragsrechts, und die VOB – Teile A, B und C – enthalten und ob diese ausreichend zu einer auch rechtsdogmatisch nachvollziehbaren Lösung sind. Diskutiert wird dabei auch, ob die in der VOB/C enthaltenen Vorschriften zur witterungsbezogenen Risikoverteilung auch bei einem BGB-Bauvertrag gelten, der Besteller ein Anordnungsrecht zur Bauzeit hat und welche Anforderungen der BGH bzw. die Instanzgerichte an die Darlegungs- und Beweislast bei der Geltendmachung von Ansprüchen wegen gestörter Bauabläufe stellen. Im Gesamtzusammenhang werden auch baubetriebliche und versicherungsrechtliche Aspekte berücksichtigt sowie in einem „Blick über den Tellerrand“ vergleichbare Regelungen in Österreich und die FIDIC-Vertragswerke beleuchtet. Aus dieser Vielzahl von Lösungsansätzen entwickelt Mayer dann konkrete Regelungsvorschläge zu der höchst praxisrelevanten Thematik „Bauzeit und Witterung“. Dazu werden auch die meteorologischen und technischen Möglichkeiten der Vorhersage und der vorausschauenden Bauablaufplanung sowie die Grenzkriterien aus der Ingenieurwissenschaft betrachtet. Damit kann man dieses Werk als derzeit vollständigstes Kompendium zu allen Witterungsfragen im Zusammenhang mit Baumaßnahmen bezeichnen. Und der DVA wäre gut beraten, sich mit dem Vorschlag auf S. 361 zu einer Neuformulierung des VOB/B-Witterungsparagraphen 6 Abs.2 Nr.2 näher zu befassen. Im Übrigen sollte das sehr gut les- und verstehbare Werke in keiner Baurechts- oder Gerichts-Bibliothek fehlen! Denn es schließt eine Lücke in der Baurechts-Literatur!

Prof. Dr. jur. Klaus Englert, Schrobenhausen
Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht

Verlag Dr. Kovac
Hamburg 2019
368 Seiten – Band 29
Taschenbuch
ISBN 978-3-339-10876-0 (Print)
ISBN 978-3-339-10877-7 (eBook)
99,80 Euro

Handbuch ZTV E – StB Kommentar und Kompendium Erdbau/Felsbau/Landschaftsschutz für Verkehrswege

Die Besprechung eines Buchwerks aus dem Bereich der Geotechnik entspricht den Zielen von baurechtsuche.de.! Denn: Bei genauer Betrachtung ist die Befassung jedes Baujuristen, gleich ob als Richter, Anwalt oder Syndikus, mit den Spezifika des Erd- und Felsbaus sowie des Landschaftsschutzes im Sinne interdisziplinären Verständnisses unerlässlich, um sachgerechte Entscheidungen bzw. Beratungen bis hin zu Klagebegründungen vornehmen zu können. Gleiches gilt für Architekten und Ingenieure. Denn wer nicht nachvollziehen kann, wovon die Rede ist, kann auch nicht mitreden! Genau zu dieser Fähigkeit verhilft der Kommentar von Prof. Dr. Dr. Rudolf Floss, der seit über 40 Jahren das Standardwerk nicht nur zur Erläuterung der ZTV E-StB – also der Zusätzlichen Technischen Vertragsbedingungen und Richtlinien für Erdarbeiten im Straßenbau, Ausgabe 2017 – , sondern generell für die bei jedem Bauvorhaben unabdingbaren Erd-, Fels- und Landschaftsschutzarbeiten ist.

Der Autor zählt seit mehr als 50 Jahren zu den Koryphäen auf diesen Fachgebieten und war u.a. Ordinarius für Geotechnik an der TU München. Diese reiche Erfahrung ist ersichtlich in das sehr gut lesbare Werk so eingeflossen, dass nicht nur Ingenieure, sondern auch die Vertreter der Rechtswissenschaften in der Lage sind, die oft komplizierten und komplexen Probleme im Zusammenhang mit dem Baugrund nachzuvollziehen. Und genau dies macht den Kommentar nicht nur für Ingenieure, sondern auch für Baujuristen so wertvoll: In verständlicher, durch viele erläuternde Übersichten, Fotos und Tabellen sowie in abgesetzten Farben ergänzter Form der Darstellung nimmt der Autor den Nutzer an die Hand und führt ihn so behutsam nicht nur durch das Labyrinth des wesentlichen Regelwerks für den Straßenbau, sondern bringt ihm sozusagen nebenbei auch viele essentielle Baugrundbereiche näher: Fortentwicklung von Bauweisen im Erd- und Felsbau sowie Verbundbauweisen mit Geokunststoffen und Leichtbaustoffen, Einführung des europäischen Normenwerkes über geotechnische Untersuchungen, Nutzung neuer Baustoffe und besondere Sicherheitsbauweisen, Verwertung von Bodenmaterialien und Baustoffen mit umweltrelevanten Inhaltsstoffen sowie Maßnahmen zur Bodenreinigung, Schadstoffminderung und -abdichtung zählen dazu.

Die Sonderkapitel in Teil 3 beinhalten Grundsätze und Wissenserfahrungen zu speziellen Themen, die im Zusammenhang mit den ZTV E-StB-Regelungen, insbesondere auch für den Bau kommunaler Straßen und ländlicher Wege, von Bedeutung sind (z.B. Umweltschutz, Landschaftspflege, Wasserabfluss von Verkehrsflächen, Hochwasservorsorge sowie Ersatzbaustoffe im Verkehrswegebau). Die drei Teile bilden in ihrer inhaltlichen Bindung und Verknüpfung mit den Allgemeinen und Zusätzlichen Technischen Vertragsbedingungen und Richtlinien sowie dem fortgeschriebenen Wissensstand eine Einheit als Gesamtwerk des Erd- und Felsbaues.

Die Leitlinien in Teil 1 beinhalten Grundsätze und gesetzgeberische Vorgaben zum Auftrags- und Vergabewesen sowie zum Schutz von Natur, Boden und Wasser. Die Kommentare in Teil 2 schließen sich der Gliederung des neuen ZTV E-Regelwerkes an. Die Regelungen werden im Einzelnen erläutert, die technischen und wirtschaftlichen Auslegungsspielräume erkennbar gemacht und der Wissens- und Erfahrungsstand in Verbindung mit den relevanten nationalen und europäischen Regelwerken vermittelt.

Dabei zeigt der Autor auch die Besonderheiten der vertragsrechtlichen Bindung an die VOB Teil C durch die öffentlichen Auftraggeber mit Blick auf die Generalnorm ATV DIN 18299, die Erdbaunorm ATV DIN 18300 und die Landschaftsbau-ATV DIN 18320 in wissenschaftlich-praktischer Hinsicht auf. In dieser Verknüpfung werden die Regelungen nicht nur für Straßenverkehrswege, sondern in nahezu alle Bereiche des Tief- und Landschaftsbaues mit einbezogen – wie etwa Bauwerksgründungen, Schienenwege, Staudämme, Deiche, Kanal- und Rohrleitungsbau. So etwa stellen die Ausführungen von Prof. Dr. Dr. Floss zu den Homogenbereichen auf den Seiten 154 ff. – die jedem Baujuristen im Gerichts- oder Anwaltsalltag begegnen – eine wahre Fundgrube für das Verständnis dieser Baugrundbeschreibung, die in allen VOB Teil C – Tiefbaunormen enthalten ist, dar. Aber auch die Erläuterungen zur Bodenreinigung ab S. 620 vermitteln Erkenntnisse, die gerade für Ingenieure, aber auch Juristen, die sich mit Bodenkontaminationen zu befassen haben – und dies zählt heute zum Tagesgeschäft von Baukanzleien – von unschätzbarem Wert sind. So könnte die Reihe der Beispiele von Problemen im Zusammenhang mit Baugrundarbeiten, die der Autor in bestmöglicher Art und Weise aufbereitet, noch lange fortgesetzt werden. Wer sich als Baujurist das Vergnügen gönnt, diesen Kommentar, der zugleich Kompendium und Handbuch ist, von der ersten bis zur letzten Seite durchzuarbeiten, der wird einen deutlichen Zugewinn an Wissen und Praxishandhabung erfahren. Gleiches gilt natürlich auch für Architekten und Ingenieure, die zwangsläufig immer wieder mit Baugrundproblemen befasst werden. Das Werk sollte deshalb an keinem Juristen- und Ingenieursschreibtisch als ständiger Begleiter für Problemlösungen fehlen!

Prof. Dr. jur. Klaus Englert
Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht, Schrobenhausen
Vorsitzender des Beirats

Floss, Rudolf
5. Auflage 2019 – 680 Seiten
ISBN-10: 3781220524 und ISBN-13: 978-3781220522
gebunden, Kirschbaum Verlag Bonn
94,00 Euro

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