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Flüssigfolienanschlüsse an anschließende Bauteile – Teil 1

Abdichtungsanschlüsse von der Abdichtungsebene zu aufgehenden oder herausragenden Bauteilen waren und sind immer problematisch. Für diese Übergänge gibt es die unterschiedlichsten Lösungen. Herr Dipl. Ing. SV Norbert Swensson, Generalstraße 12, 44795 Bochum hat kürzlich zum oben genannten Thema eine interessante Umfrage unter Sachverständigen gestartet deren Ergebnis er kürzlich vorlegte. Dafür herhält er meine Hochachtung. Befragt wurden alle 950 Bausachverständigen der Industrie- und
Handelskammern die in irgendeiner Weise mit Abdichtungsproblemen befasst sind. Geantwortet haben auf Herrn Swenssons Fragen 239 Sachverständige. Seine Fragen beschäftigten sich mit Flüssigfolienabdichtungen an den unteren waagerechten Blendrahmen von bodentiefen Fenstern und Balkon- oder Terrassenaustrittstüren
aus PVC, mit der gleichen Abdichtungsart bei gleichen Fenstern und Türen nur mit
Holzrahmen und baugleichen Wandöffnungen bei denen die Rahmen aus beschichtetem oder eloxiertem Aluminium bestehen.
Ferner fragte er nach der Beständigkeit von Flüssigfolienabdichtungen die an besandete oder unbesandete Bitumenabdichtungsbahnen, Kunststoff- oder Elastomerbahnen anschließen und die sie mit anderen Teilen verbinden.

Hier die Umfrageergebnisse:
Flüssigfolienanschlüsse an Kunststofffensterrahmen:
41,84% der Sachverständigen waren der Meinung, dass hier ein dauerhafter Verbund zwischen Rahmen und Folie möglich wäre;
32,01% hielten eine solche Abdichtungsart für nicht möglich und
33,89% hielten eine solche Abdichtungsart für möglich aber nicht für eine dauerhafte Lösung. Summa: Das ergibt keine dauerhafte Abdichtungsart.

Meine Ansicht:

Das entspricht meinen Erfahrungen. Hier ist ein Abdichtungsanschluss aus Flüssigkunststoff nicht möglich. Schon die dichte Oberfläche des Kunststoffes (Dichte des Materials) lässt nur ein beschränktes aneinanderhaften der Moleküle im Grenzbereich/Haftungsbereich zweier verschiedener Stoffe zu, welche noch durch die verschiedenen Ausdehnungskoeffizienten der beiden unterschiedlichen Materialien beeinflusst wird. Dass der Flüssigkunststoff weicher ist als der Kunststoffrahmen gereicht hier nicht zum Vorteil, er rutscht beim Auftragen ab. Da helfen auch das Aufrauen des Untergrundes und ein Bewehrungsgewebe nur sehr eingeschränkt. Der Flüssigkunststoff wird immer der Schwerkraft folgend absacken.

Flüssigfolienanschlüsse an Holzfensterrahmen:
28,87% der befragten Sachverständigen waren der Meinung, dass eine solche Verbindung dauerhaft sei.
51,46% der befragten Sachverständigen hielten eine solche Verbindung für nicht möglich. 15. 06% trauten der Abdichtung einen zeitlich begrenzten Schutz zu.
4,6% enthielten sich einer Bewertung. Summa: die Abdichtung wird von Sachverständigen nicht zur Ausführung empfohlen.

Meine Ansicht:

Auch nach meinen Erfahrungen ist diese Art der Abdichtung nicht dauerhaft möglich. Schon die gestrichene Holzoberfläche lässt nur eine beschränkte Adhäsion der unterschiedlichen Materialien zu. Man hat dort auch noch zwei Grenzflächen (Holz/Farbe; Farbe/Flüssigkunststoff) welche noch durch die verschiedenen Ausdehnungskoeffizienten der drei unterschiedlichen Materialien beeinflusst werden. Dass die Weichmacher und das Lösungsmittel im Flüssigkunststoff die Farbe und deren Haftfestigkeit beeinflussen werden, ist wohl unbestritten. Da hilft auch das Anschleifen der Farbe wenig. Der Flüssigkunststoff wird sich schon nach kurzer Zeit von der Farbe und/oder vom Holzrahmen lösen, denn selten sind Anstriche wasserdampfdicht und Holz nimmt ja über Hygroskopie Wasser auf, was zu Haftungsproblemen führt.

Flüssigfolienanschlüsse an Alufensterrahmen:
51,88% der befragten Sachverständigen sind der Ansicht, dass ein solcher Anschluss funktioniert.
25,94% halten dies für nicht möglich.
17,99% halten dies für eingeschränkt möglich.
4,18% enthielten sich einer Bewertung. Summa: Sachverständige halten diese Anschlussart für dauerhaft möglich.

Meine Ansicht:

Nach meinen Erfahrungen hält eine solche Abdichtungsart nicht. Schon die dichte Oberfläche des Aluminiums und die unterschiedlichen Wärmekapazitäten und Ausdehnungskoeffizienten lassen nur eine sehr beschränkte Anhaftung des Flüssigkunststoffes an der meist eloxierten oder beschichteten Rahmenober-flächen zu. Dass der Flüssigkunststoff weicher ist als der das Aluminium begünstigt dessen Anhaftung nicht. Hier entfällt auch das Aufrauen des Untergrundes als Hilfe für eine bessere Kunststoffanhaftung. Solche Beschädigungen der Schutzschicht führen meist Filiformkorrosion am Aluminium. Hervorgerufen werden solche Schäden durch den Chlorgehalt im Kunststoff. Berücksichtigt werden müssen auch die chemischen Reaktionen zwischen dem Flüssigkunststoff, der meist alkalisch ist und sehr oft Ammoniak enthält und dem Aluminiumrahmen, sofern dieser blank gelegt wird. Hier können sich Aluminiumsalze bilden die das Material schädigen.

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