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Holzfenster – Haltbarkeit von Beschichtungen – Wunsch und Wirklichkeit

Im Alltagsgeschäft eines Handwerksbetriebs wird nicht selten von Kunden der Wunsch geäußert, dass man eine Holzbeschichtung an Fenstern, Carport oder Fassadenverkleidungen aufbringe, die ewig hält – mindestens aber 15 Jahre.

Das sind hohe Erwartungen – woher kommen sie?

Im Zeitalter von Internet, iPhone, Nanotechnik und selbständig bestellenden Kühlschränken kann man nicht verstehen, dass ein Profi diesen Wunsch nicht erfüllen kann – zumal der Baumarkt um die Ecke Produkte anbietet, die als deckende Beschichtung 12 Jahre und als Lasur 7 Jahre Langzeitschutz versprechen.

Liest man auf diesen Produkten das verklausulierte Kleingedruckte auf der Rückseite, ahnt man schon eher, dass diese Erwartungen nicht immer ganz erfüllt werden. Dennoch wird nicht klar, wie gering der Erfolg bei Holzbeschichtungen ausfallen kann.

Aber weshalb halten die Holzbeschichtungen in der Realität oft nicht, was man sich davon verspricht?

1.  Die Standortfrage

Wird ein Holzbauteil durch konstruktive Details wie große Dachüberstände bei geringen Gebäudehöhen geschützt, können hohe Standzeiten für die Beschichtungen erreicht werden. Ist jedoch ein Holzfenster in höheren Gebäuden, mit geringer Leibungstiefe oder gar fassadenbündig eingebaut, ist es der Witterung in hohem Maße ausgesetzt.

Zusätzlich spielt die Ausrichtung des Holzfensters eine entscheidende Rolle. So wird eine Fensterbeschichtung auf der Nordseite eine wesentlich längere Standzeit als auf der Süd- oder Westseite haben.

Ein nach Norden ausgerichtetes, deckend weiß beschichtetes, neues Holzfenster sollte, wenn keine konstruktiven  Mängel  oder Holzschäden vorliegen, nach spätestens 10 Jahren einen Überholungsanstrich erhalten. Bei einer Lasurbeschichtung sollte dies nach spätestens 6 Jahren erfolgen.

Diese Werte werden jedoch nur bei ausgezeichneten Bedingungen hinsichtlich der Mangelfreiheit des Fensters, in Bezug auf  Holzqualität, konstruktiver Merkmale, der Ausrichtung und geschützten Lage des Fensters im Bauwerk, erreicht werden. Dies ist jedoch so nur selten der Fall!

Auf der West- oder Südseite ist es angezeigt, unter Berücksichtigung des vorgenannten, die Überholung bei Lasuren nach  3 Jahren, bei deckenden Beschichtungen nach 5 Jahren in Angriff zu nehmen.

Bei allen nachfolgenden Überholungen kann sich die Standzeit der Beschichtung, vor allem wenn sich im Laufe der Jahre Schäden am Holz (z.B. Risse),  defekte Glasanschlüsse oder offene Verbindungsfugen eingestellt haben, stark verschlechtern.

In diesen Fällen kann auf Nordseiten nur noch mit einer Haltbarkeit von 2-3 Jahren bei sämtlichen Beschichtungstypen gerechnet werden.  Auf Ost-, Süd- und Westseiten hätte die Beschichtung nur noch dekorativen, keinen schützenden Charakter mehr.  Es kann keine Dauerhaftigkeit erwartet werden!

2. Die Holzqualität

Fenster werden hierzulande hauptsächlich aus Kiefernholz gefertigt. Kiefernholz nimmt jedoch im Vergleich zu Eiche und Meranti ein Vielfaches an Wasser auf. Gleichzeitig wird es, selbst als Kernholz, nach DIN EN 350-2 in seiner Beständigkeit gegen Holzschädlinge und Pilzbefall in die Dauerhaftigkeitsklasse 4   eingeordnet. Diese Dauerhaftigkeitsklasse ist die zweit schlechteste der fünf möglichen Kategorien.

Schaut man fünfzig bis hundert Jahre zurück, stellt man fest, dass damals ein  Fenster nur aus Kernholz gefertigt wurde. Eine gute Entscheidung! Kernholz ist besonders dicht und nimmt daher nur wenig Wasser auf. Heute sind jedoch oft Hölzer im Einsatz, die zwar den einschlägigen Normen und Merkblättern zu Einsatz und Verwendung von Holzqualitäten genügen, aber dennoch in der Realität nicht dauerhaft sind.

3. Die konstruktiven Mängel

Da wären zunächst die alt bekannten Klassiker: Undichte Glasanschlüsse auf der Innen- und Außenseite, die Kondens- oder Niederschlagswasser in das Holz eindringen lassen. Gefolgt von mangelhaften und offenen Holzverbindungen. Auch hier dringt Wasser ins Holz ein. Die Folge ist ein Aufquellen des Holzes, welches zum Abblättern des Anstriches führt.

Weiterhin finden sich häufig konstruktive Mängel, die das Leben der Beschichtung verkürzen, wie z.B.  unzureichende Ablaufneigung an horizontalen Bauteilen und immer wieder die nicht gerundeten, scharfen Kanten der Holzbauteile im Außenbereich.

Auf scharfkantigen Holzbauteilen kann ein Anstrich nicht ausreichend haften. Er zieht sich bei der Lackierung regelrecht auf die Fläche zurück. Es verbleibt auf der Kante nur ein sehr dünner Film, der durch Witterungseinflüsse schnell abgebaut wird.

Fazit:

Damit Holzfenster und deren Beschichtung eine hohe Standzeit erreichen, sollten sie nur in guter  konstruktiver Qualität und in guter Holzqualität verbaut werden.

Grundsätzlich ist eine regelmäßige Überprüfung der Holzfenster (je nach Zustand, Qualität und Standort der Fenster alle 1 bis 2 Jahre) und daraus folgend eine regelmäßige Wartung erforderlich.

Mängel an Holz und Konstruktion müssen für eine optimale Standzeit schnellst möglich sachgerecht (durch Tischler und Maler) behoben werden.

Bei schlechtem baulichen Zustand, zahlreichen Holzmängeln und extremer Bewitterung auf Grund der Ausrichtung des Fensters, kann die Beschichtung im schlechtesten Fall keinerlei Schutzfunktion und Dauerhaftigkeit haben.

Technische Grundlagen:

BFS-Merkblatt 18, Beschichtungen auf Holz und Holzwerkstoffen im Außenbereich, Technische Richtlinien für das Maler- und Lackiererhandwerk,

VFF Merkblatt HO 02, Verband der Fenster- und Fassadenhersteller

DIN EN 305-2

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