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Macht der Mediator einen Vorschlag?

Der Mediator wird von den Parteien als Experte für die Konfliktbearbeitung eingesetzt. Er kennt Werkzeuge und Methoden, um die Parteien zu einer von ihnen selbst als vorzugswürdig empfundenen Lösung zu führen. Bei inhaltlichen Fragen nimmt sich der Mediator deswegen zurück.

Diese Selbstbeschränkung geht einher mit seiner entschiedenen Strukturierung des Mediationsverfahrens: Der „starke Mediator“, der „gestaltende Mediator“ ist die Antwort auf den in vielen Streitfällen am Bau bestehenden beträchtlichen Gestaltungsspielraum. So ist z.B. bei Bauablaufstörungen generell eine Vielzahl unterschiedlicher Anpassungsoptionen bzw. Kompensationsmaßnahmen möglich. Hier gilt es, für die Parteien möglichst die wirtschaftlich beste Lösung zu finden. Das damit verbundene Wertschöpfungspotenzial der Konfliktbewältigung erhöht einerseits die Komplexität der Verhandlung und erfordert andererseits problemspezifische Methoden für den Umfang mit dieser Komplexität.

Der „starke Mediator“ ist zwischen dem „klassischen Mediator“ und dem „Schlichter“ positioniert:

  • Der klassische Mediator empfiehlt die Phasen der Konfliktbearbeitung und innerhalb dieser Phasen die jeweiligen Einzelschritte.
  • Der Schlichter empfiehlt Lösungen.

Der „starke Mediator“ stellt anders als der Schlichter nicht die Autonomie der Konfliktparteien für ihre Konfliktlösung in Frage, steuert aber umgekehrt die Konfliktbearbeitung intensiver als der „klassische Mediator“: Auf Basis profunder Branchen- und Rechtskenntnis empfiehlt er konkrete Konfliktbearbeitungsmethoden. Er nutzt die Komplexität der Streitfälle, um die Bedeutung von Streitthemen zu hinterfragen und zu ihrer Gewichtung beizutragen. Er unterbreitet Vorschläge für die Ordnung der Streitthemen und Forderungen in Gruppen. Er wirkt darauf hin, die typischen Chancen und Risiken der gruppierten Streitthemen zu benennen und zu hinterfragen, mit welcher Erfolgswahrscheinlichkeit derartige Streitgruppen in anderen Konflikten als dem konkret zur Behandlung anstehenden typischerweise betrachtet werden. Er veranlasst die Diskussion etwa spezifischer Besonderheiten und sachverhaltlicher, technischer und rechtlicher Unsicherheiten. Er regt nicht zuletzt eine Betrachtung der Transaktionskosten an.

Die gestaltende Rolle des branchen- und rechtsversierten Baumediators wirkt sich umfassend aus:

Bereits in der Mediationsvorbereitung übernimmt der Baumediator Verantwortung für die zeitliche und inhaltliche Planung. Er fragt ab, welche Themen streitig bzw. unstreitig sind, welche Informationen für die Konfliktbearbeitung von Bedeutung sind und regt schon in dieser Phase eine Kategorisierung an, um die Komplexität zu reduzieren.

Während der Mediation gestaltet der Baumediator in allen Phasen:

  • In der Eröffnungsphase holt der Mediator die Erlaubnis für seine Gestaltungsfunktion ein.
  • In der Aufklärungsphase regt er die Verständigung über Kategorisierungen, über den Umfang der Sachverhaltsermittlung und die Klärung der Beteiligten an.
  • In der Bearbeitungsphase wirkt er mithilfe des Einsatzes baubetrieblicher Methoden auf eine Verständigung über typische Bewertungen hin, überprüft Besonderheiten des konkreten Streites und regt so die Interessenklärung an.
  • Für die Optionsphase mit der Entwicklung von Lösungsalternativen berücksichtigt er die baubetrieblichen Methoden und spezifische Tools.

So verwandelt der gestaltende Mediator die Komplexität von Baustreitigkeiten in die Chance auf Wertschöpfung.

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